1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland – das heißt rund 350 Jahre jüdisches Leben in Lünen. Aus anfangs 2 Familien stieg ihre Zahl langsam bis auf über 200 Personen im Jahre 1930, bis das jüdische Leben aufgrund des nationalsozialistischen Terrors in Lünen erlosch.
Seit vielen Jahren wird durch städtisches und ehrenamtliches Engagement eine Erinnerungskultur gepflegt mit dem Ziel, daran zu erinnern, zu welch grausamen Verbrechen Menschen fähig sind. Verbunden ist damit die Hoffnung, dass so etwas nie wieder geschehen wird.
Beispielhaft für diese Erinnerungskultur steht u.a. das Mahnmal zur Erinnerung an die jüdischen Opfer der Reichspogromnacht vom 09.11.1938, welches am 10.11.1993 eingeweiht wurde und wo jährlich den Opfern dieser Nacht und aller anderen gedacht wird. Es waren Lüner Bürger, die in ihrem antisemitischen Rassenwahn Mitbürger verprügelten, ihre Geschäfte zerstörten und plünderten und 4 Menschen erschossen bzw. in die Lippe trieben, wo zwei von ihnen sofort bzw. als Folge dieser Tat später starben. Erinnert wird ferner durch
- die Auslobung eines „Heinrich-Bußmann-Gedächtnispreises“ an Bürgerinnen und Bürger oder Gruppen, die sich aktiv gegen Fremdenfeindlichkeit einsetzen,
- die von der Bürgermeister-Harzer-Stiftung organisierte Anne Frank Ausstellung 2013 im Rathaus,
- Klassenfahrten zu den Stätten des Grauens,
- Aktionen wie das Verlegen von Stolpersteinen,
- die Würdigung von Opfern bei der Vergabe von Straßennamen,
- die Pflege eines jüdischen Friedhofs,
- den bewegenden Film „Die Kinder der Turnstunde“ des Kulturpreisträgers Michael Kupczyk, der am Beispiel Lüner jüdischer Familien das Schicksal dieser Menschen während der verbrecherischen Zeit des NS nachzeichnet.
Durch all diese Aktivitäten soll der Opfer gedacht und ihr Schicksal zur Mahnung der jüngeren Generation vermittelt werden in der Hoffnung, dass die Worte Wirklichkeit werden: NIE WIEDER
Zitieren möchten wir Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der bei einem Besuch in Yad Vashem am 23.01.2020 folgendes sagte:
„Die bösen Geister zeigen sich heute in neuem Gewand. Mehr noch: Sie präsentieren ihr antisemitisches, ihr völkisches, ihr autoritäres Denken als Antwort für die Zukunft, als neue Lösung für die Probleme unserer Zeit. Ich wünschte, sagen zu können: Wir Deutsche haben für immer aus der Geschichte gelernt. Aber das kann ich nicht sagen, wenn Hass und Hetze sich ausbreiten.“
Deshalb darf es keinen Schlussstrich geben, deshalb erinnern wir auch am 27.01.2026 wieder durch eine Gedenkwanderung an die ermordeten Juden, an Zwangsarbeiter, an Ghettohäuser und auch an die Rolle der Reichsbahn in der NS-Zeit. Treffpunkt ist um 10:30 Uhr auf dem Ev. Friedhof, Kirchhofstr. 16.
Heinz-Joachim Otto
Siegfried Störmer
Bürgermeister – Harzer – Stiftung